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Was ist Cerumen? Und warum hat man Ohrenschmalz?

vom 28.07.2015, Autor: Christoph Stamm

Jeder Mensch produziert es. Jeder Mensch braucht es.

Ohrenschmalz ist eine Substanz, die in den Ohrenschmalzdrüsen des äußeren Gehörganges produziert wird.  Es sind modifizierte Schweißdrüsen. Alle Säugetiere verfügen darüber! Es ist eine mitunter klebrige, fettige gelblich-bräunliche Masse, dem Wachs sehr ähnlich.

Daher rührt auch der Name:

Cera bedeutet im lateinischen Wachs,  davon abgeleitet der Ausdruck Cerumen.

Cerumen wird unablässig produziert, jeden Tag gleich viel. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, die Menge an Ohrenschmalz würde schwanken. Aber wie beim Schwitzen ist die Produktion von Mensch zu Mensch unterschiedlich. So gibt es jene, die regelmäßig zum Arzt müssen, um ihre Gehörgänge von überreichlich vorhandenem Ohrenschmalz reinigen zu lassen, und andere, die ihr Lebtag deswegen noch nie Probleme hatten. Kinder produzieren dabei meist mehr Cerumen als Erwachsene, es ist auch heller und meist dünnflüssiger. Die Farbe kann deutlich variieren, von gelblich, hell- bis dunkelbraun, und sogar orange ist möglich. In der Pubertät ist nochmals eine Steigerung möglich, als Erwachsener aber ist die Produktion konstant und niedriger. Leidet man an einer Mittelohrentzündung, wird sogar weniger Cerumen produziert.

Das Cerumen kann den Gehörgang verstopfen, entweder bei Überproduktion, oder bei engen oder winkligen Gehörgängen. Dann verschließt es den Gehörgang komplett und kann eine plötzliche Schwerhörigkeit bewirken. Auch eine unsachgemäße Säuberung der Ohren, zum Beispiel mit den allseits beliebten Wattestäbchen, kann zum Verschluss der Ohren führen. Man spricht dann auch von einem „Cerumenpfropf“. Dieser kann vom Haus- oder HNO-Arzt mittels einer Spülung mit warmen Wasser oder durch absaugen entfernt werden. Wenn der Pfropf sehr fest sitzt, muss er erst mit einer Flüssigkeit aufgeweicht und dann später entfernt werden.

Das Cerumen übernimmt aber sehr wichtige Funktionen im Ohr:

a) Reinigung

Durch die Funktion der feinen Härchen im Gehörgang, durch Kieferbewegungen (z.B. beim Kauen)und durch bestimmte Hautzellen  wird das Cerumen wie bei einem Förderband langsam nach außen befördert, wobei auch Hautschuppen, Staub und Schmutz mitgenommen werden. Diese Substanzen bleiben in der klebrigen Masse des Cerumens hängen.

b) Schmierung

Das Cerumen verhindert die Austrocknung des Ohres, die Haut wird „geschmiert“. Die fettige Substanz verhindert die Bildung von trockenen Hautschuppen und damit ein ständig juckendes Ohr

c) Abwehrfunktion

Ohrenschmalz enthält Stoffe, unter anderem Lysozym, welche Bakterien bekämpfen. Diese sterben ab und werden durch die Reinigungswirkung nach draußen befördert. Zudem werden Insekten davon abgehalten, in den Gehörgang zu kriechen oder fliegen. Das sehr bittere Aroma und der „Duft“ des Cerumen vertreibt die meisten Insekten. Durch die Inhaltsstoffe können auch viele Pilzsporen abgetötet werden, die sich im Gehörgang einnisten können.

Fehlt der Schutz des Ohres durch das Cerumen, kann dies zu großen Beschwerden führen, nicht selten in Einklang mit starken Ohrenschmerzen. Zu häufiges, zu gründliches Waschen, auch häufiges Schwimmen, kann dazu führen, das zu wenig Cerumen im Ohr ist. Fehlt dann die schützende Schicht, kann es zu Problemen kommen.

Das Tragen von Hörgeräten und der notwendige Einsatz von Ohrpassstücken kann dazu führen, dass der Abtransport des  Cerumen nicht mehr gewährleistet wird und so der Eindruck entsteht, es würde mehr produziert. Auch hierdurch kommt es häufiger zur Pfropfenbildung im Ohr. Man hat den Eindruck, die Hörgeräte wären deutlich leiser oder sogar ganz ohne Funktion. Außerdem pfeifen die Hörsysteme eher (durch erhöhte Rückkopplungsneigung), oder sie versagen ihren Dienst, weil der Schallaustritt durch Cerumen blockiert ist. Hier hilft eine sachgemäß durchgeführte Reinigung des Hörgeräte oder Passstücke.

Übrigens:

Im Mittelalter wurde Ohrenschmalz als einer von vielen Bestandteilen zum Anmischen von Farben genutzt. So enthalten heute viele Kunstwerke aus dieser Zeit noch Ohrenschmalz von deren Schöpfern! Da betrachtet man einen Rubens doch schon wieder mit anderen Augen!

 

Christoph Stamm
Hörgeräte-Akustik-Meister aus Grevenbroich
www.hoergeraete-stamm.de